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Bulova Moonwatch Chronograph Re-Edition – Fly me to the moon

„Fly me to the moon“ – Das von Bart Howard komponierte Stück sang Frank Sinatra bereits im Jahre 1964. Doch war die Bulova Moonwatch wirklich auf dem Mond? Ich mache es kurz. Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja, war sie! Bildnachweis: bulova.com

Was ist dran an der Bulova Moonwatch?

Am 02. August 1971 setzte die Bulova Moonwatch gemeinsam mit ihrem Träger David ‚Dave‘ Randolph Scott, seines Zeichen Kommandant der Apollo 15 Mission, auf dem Boden unseres Erdtrabanten auf. Die eigens für diese Mission realisierte Armbanduhr war als Chronograph konzipiert, um so die Zeiten bei den Außenbordaktivitäten (Englisch: EVA = extra-vehicular activity) auf dem Mond präzise messen zu können und so sicherzustellen, dass für die Astronauten stets genügend Sauerstoff, Wasser und Batterieleistung vorhanden waren.

Ein Fakt, der weit weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass Dave Scott die bekanntere Omega Speedmaster Moonwatch von der NASA für die Apollo 15 Mission zur Verfügung gestellt bekam. Doch aufgrund eines technischen Defekts musste er diese Armbanduhr ablegen. Ein Auszug aus dem Log-Buch der NASA für den Außenbordeinsatz EVA-2 bestätigt dies:

142:14:22 Scott: „Verify cabin at 3.5.“ Okay, cabin’s at 3.5. Suit circuit’s locked up at about 4.4. My PGA is coming through 5 and decaying. And let’s slip on a watch.

[Dave may have had his watch hanging from the instrument panel and, in any event, he is now putting it on and is probably starting the stopwatch function.]

[Scott, from a 1996 letter – „I do not recall ever having looked at my watch after egress. In the cabin after EVA-2, I noticed that the crystal of my Omega had popped off sometime during the EVA. Therefore, on EVA-3, I used my backup watch (which was) of a similar type. It worked just fine during the even higher temperatures of EVA-3.“]

[In Dave’s 1996 letter to me, he said that the back-up watch was a Waltham. After further researching the issue for an article on watches, Dave wrote in early 2014, „Frankly, back in 1996 I just made a mistake — it was a Bulova, not a Waltham. When you asked in ’96, things were a bit hazy after 25 years, and I hadn’t fully researched many of the ancillary parts of the mission. However, more things are coming into focus these days as more people are researching Apollo.“ Dave has documentation that tells us that the backup watch he wore on the lunar surface was a Bulova Chronograph, Model #88510/01. The Part Number on the wrist band was SEB12100030-202.]

Grund für den Wechsel auf die Bulova Moonwatch war demnach das Kristallglas der Omega Speedmaster, welches beim EVA-2 zerstört wurde. Danach trug Dave Scott die Bulova beim EVA-3, der rund 4 Stunden, 49 Minuten und 50 Sekunden dauerte und bei dem Scott vor der amerikanischen Flagge im Hadley Delta salutierte (siehe Foto unten).

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Auch beim Wiedereintritt des Command Modules Endeavour am 07. August 1971 unterstützte Scotts Chronograph. So diente die Bulova Moonwatch als Back-up für die Stoppuhren des Bordcomputers.

Erwähnenswert ist, dass Dave Scott von den 12 Männern, die ihre Fußabdrücke auf dem Mond hinterlassen durften, der einzige Astronaut ist, der neben der Standard Omega Speedmaster die Armbanduhr eines anderen Herstellers trug. Lange Zeit beanspruchte Omega aufgrund des exklusiven Vertrags mit der NASA den Titel der Moonwatch für sich. Sämtliche Omega Speedmasters, die es bis zum Mond schafften, sind als „government property“ (Deutsch: Regierungsbesitz) eingestuft und werden in verschiedenen Institutionen und Museen ausgestellt und verwahrt. Die Bulova Moonwatch von Dave Scott hingegen war und ist die einzige Mond-Armbanduhr, die im privaten Besitz ist.

Vor einiger Zeit machte das ursprüngliche Bulova Moon Pilot Chronograph Modell wieder von sich reden. Am 02. November 2015, also 44 Jahre nach der berüchtigten Mond-Mission von Dave Scott, Alfred Worden und James Irwin, vermeldete eine Pressemitteilung, dass der einzige, sich im privaten Besitz befindende Bulova Mond Chronograph für schlappe $1.625 Millionen den Besitzer wechselte. Sichtlich in die Jahre gekommen, ist es sicherlich ein besonderes Stück mit einem hohen emotionalen Wert.

Meinen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle an Mike Graff von RR Auction ausdrücken, da er so freundlich war und mir die Fotos der von Dave Scott getragenen Moonwatch von Bulova zur Verfügung stellte.

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Bildnachweise oben / Courtesy: Mike Graff, RR Auction

Perfekter Zeitpunkt für eine Re-Edition der Bulova Moonwatch

Die Überschrift verrät es bereits. Für die amerikanische Marke Bulova aus New York hätte es wohl für die oben genannte Auktion keinen besseren Zeitpunkt geben können. Der Launch der Re-Edition der bekannten Bulova Moonwatch stand bereits unmittelbar bevor und wurde auch in der verlinkten Pressemitteilung kundgetan:

Taking inspiration from the original, Bulova’s special edition moon watch chronograph replica is updated with exclusive UHF (Ultra High Frequency) quartz technology for ultimate timekeeping accuracy to seconds a year. Other features include a signature continuous-sweep second hand, super- luminous hands and markers, sapphire glass, tachymeter and calendar in a 316L stainless steel case, with water resistance to 50 meters. Two true-to-the-original interchangeable straps—one a textured black leather; the other, a strap with Velcro. Authentically recreated from the prototype, now reimagined for today’s sensibility, the special edition replica is equal parts old-school-cool and modern style on the outside, and skilled-engineering savvy on the inside. Slated for a January 2016 introduction, its $550 MSRP doesn’t shoot for the moon.

Perfektes Marketing für die Quarzuhr mit historischem Erbe.

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Bildnachweis oben: bulova.com

Mit Quarzuhrwerk zum Mond: Bulova Moonwatch Chronograph Re-Edition

Der originalgetreue Nachbau* (*=Affiliate-Link) der von Dave Scott 1971 getragenen Bulova Moonwatch besticht äußerlich durch ein massives, 45 Millimeter im Durchmesser und 13,5 Millimeter in der Höhe messendes Gehäuse aus Edelstahl 316L.

An der rechten Gehäuseseite findet man die mattierte Krone zur Einstellung der Uhrzeit und des Datums sowie die polierten Drücker für die Chronographen-Funktionen. Die in einem Dreieck angeordneten Totalisatoren setzen sich auf dem schwarzen Zifferblatt deutlich ab und geben Auskunft über die verstrichene Zeit. So findet man auf der 3-Uhr-Position die 1/20-Sekunden-Anzeige, auf 6-Uhr das Funktionsauge für die Kleine Sekunde und rechts von der 9-Uhr-Markierung den 60-Minuten-Zähler. Zwischen den 3- und 6-Uhr Totalisatoren liegt ein Fenster, das in weißer Schrift Auskunft über das aktuelle Datum gibt.

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Bildnachweis oben: bulova.com

Die verschiedenen Funktionen werden von einem UHF-Quarzuhrwerk (UHF = Ultra-High-Frequency) mit einer Frequenz von 262 kHz ermöglicht, welches im Inneren der Uhr seinen Dienst zuverlässig und präzise erfüllt. Nähere Angaben zum Uhrwerk sind leider nicht auffindbar. Allerdings konnte ich im Watchuseek.com Forum lesen, dass es sich wohl um ein japanische Quarzwerk handeln soll.

Neben den Funktionsaugen der Stoppuhr sind auf dem Zifferblatt noch verschiedene weitere Features zu entdecken. So sind die zentralen Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger sowie die Strichindices mit einer lumineszierenden Beschichtung versehen, sodass die Bulova Moonwatch auch an den dunkelsten Orten des Weltalls die Zeit anzeigen kann. Weiter außen am Rand des Zifferblatts neben der angrenzenden vollständigen Minuterie befindet sich eine Tachymeterskala, mit der die Geschwindigkeit eines Objekts gemessen werden kann.

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Bildnachweis oben: bulova.com

Den notwendigen Schutz erhält das Zifferblatt durch ein einfach-entspiegeltes Saphirglas. Ebenso erlangt der Bulova Moonwatch Chronograph so eine Wasserdichtigkeitszertifizierung von 5 ATM.

Wahlweise kann die Re-Edition des Chronographen mit Lederarmband und zusätzlichem Nylon-Band, auf dem ein aufgenähtes Lederteil das Datum 08021971 der Mission (DOM = Date of mission) in amerikanischer Schreibweise widerspiegelt, oder Edelstahlarmband erworben werden.

Ein besonderes Highlight befindet sich auf dem Gehäuseboden, also der Rückseite des Gehäuses, der Moonwatch: Hier sind neben den Missionsdaten (July 26, 1971 To August 7, 1971) auch die Daten des EVA-3 (August 2, 1971) und die Koordinaten des Landeplatzes der Raumfähre Falcon auf dem Mond (Hadley Rille / Apennines 26.13N 3.63E) vermerkt.

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Bildnachweis oben: bulova.com

Mondpreis? Keinesfalls!

Der anvisierte Preis von $550 beziehungsweise rund 600 Euro erscheint auf dem ersten Blick etwas happig, schließlich handelt es sich ’nur‘ um einen Quarzer. Bedenkt man aber, dass dieser Chronograph neben der deutlich teureren Omega Speedmaster Professional Moonwatch, die zu einem Neupreis von rund 3.500,- Euro erhältlich ist, die einzige Möglichkeit darstellt, ein Stück Raumfahrtgeschichte und eine Reminiszenz an die Pionier-Leistungen der Apollo Astronauten am Handgelenk zu tragen, erscheint der Preis gerechtfertigt.

Wen das noch nicht überzeugt, der entdeckt vielleicht auf Amazon* (*=Affiliate-Link) oder ebay* (*=Affiliate-Link) Angebote, die deutlich unter dem UVP von 599,- Euro liegen. Bei meiner Recherche lag die Moonwatch bei Amazon bei 381,64 Euro* (*=Affiliate Link) und bei ebay bei 366,55 €* (*=Affiliate-Link) inkl. Versand (Stand: 13.03.17).

Natürlich kann die Bulova Moonwatch auch regulär im Einzelhandel gekauft werden. Bulova hält dafür den Store Locator bereit.

Bulova Moonwatch Chronograph: lunares Flair am Handgelenk

Machen wir uns nichts vor: Den Weg zum Mond werden – wenn überhaupt – nur die wenigsten von uns antreten können. Wie sehr der erdnahe Trabant das Leben auf unserem Planeten beeinflusst, wird spätestens klar, wenn man die Gezeiten der Meere beobachtet oder bei Vollmond nicht einschlafen kann.

Verschiedene Raumfahrtorganisation, unter anderem die amerikanische NASA im Rahmen des Orion-Programms, planen innerhalb des nächsten Jahrzehnts erneut bemannte Flüge zum Mond.

Wem die Zeit bis dahin zu lang erscheint, dem bietet der Bulova Moonwatch Chronograph eine schöne Erinnerung an die Apollo-Missionen, die Menschen erstmalig auf die Oberfläche des Mondes brachten.

Für alle anderen bleibt noch der Griff zu Frank Sinatras „Fly me to the moon“ Scheibe:

„Fly me to the moon
Let me play among the stars
Let me see what spring is like
On a, Jupiter and Mars
In other words, hold my hand
In other words, baby, kiss me“

Technische Informationen zum Bulova Moonwatch Chronograph

Uhrwerk: UHF-Quarzuhrwerk mit 262 kHz
Funktionen: Stunden, Minuten, Datum zwischen 4 und 5 Uhr, 1/20 Sekunde bei 3 Uhr, Kleine Sekunde bei 6 Uhr und 60 Minuten-Zähler bei 9 Uhr; Tachymeterskala; Wasserdicht bis 5 ATM
Gehäuse: Edelstahlgehäuse 316L
Zifferblatt: Schwarzes Zifferblatt, Zeiger und Indices mit lumineszierender Beschichtung, gewölbtes Saphirglas
Armband: Schwarzes Lederarmband (zusätzliches Nylon-Band) oder Edelstahlarmband
Abmessungen: 45 Millimeter x  13,5 Millimeter

Weiterführende Links und Angaben

Bilder der Apollo 15 Mission

Für alle Weltraumverrückten stelle ich noch ein paar Impressionen der Apollo 15 Mission bereit. Viel Spaß beim gedanklichen Raumflug zum Mond!

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Bildnachweis oben / Courtesy: Mike Graff, RR Auction

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Bildnachweis oben: Marc Van Norden / Lizenz: CC2.0

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Bildnachweis oben: Marc Van Norden / Lizenz: CC2.0

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Bildnachweis oben: Marc Van Norden / Lizenz: CC2.0

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Bildnachweis oben: Marc Van Norden / Lizenz: CC2.0

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Bildnachweis oben / Courtesy: Mike Graff, RR Auction

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Bildnachweis oben / Courtesy: Mike Graff, RR Auction

Über den Autor

David Morawietz

David ist Autor bei luxusuhren-test.de und berichtet exklusiv von seinen Uhren-Erlebnissen.

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