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Die gefälschte Uhr – Geschichte der Billigimitate, am berühmtesten Beispiel: Rolex (Teil 2)

Im zweiten Teil unserer Mini-Serie „Die gefälschte Uhr – Geschichte der Billigimitate, am berühmtesten Beispiel: Rolex“ gehen wir auf die konkreten Unterscheidungsmerkmale zwischen Original und Fake ein und beleuchten spezielle Kriterien bei besonderen Rolex Modellen. Bildnachweis: Scott Akerman / Lizenz: CC2.0

Ganz umsonst sind die Einsätze der Inspektionen, geschickt von der Schweizer Uhrenindustrie, und begleitet von Chinesischer Polizei, nicht gewesen. Sie führten zu einer ‚Marktbereinigung‘, die offenbar vor allem kleine Fälscherbetriebe aus dem Geschäft genommen hat.

Die großen Fabriken haben die Razzien überlebt; sehr wahrscheinlich spielt hier eine Rolle, dass sie „too big to fail“ und für dieselbe Schweizer Uhrenindustrie wichtig sind, da sie auch ganz offiziell Uhrenteile für legale Marken weltweit herstellen und liefern.

Diesen Ast möchte man sich ja nicht komplett absägen. Selbst die erlangten Schließungen stellen nur einen vorübergehenden Erfolg dar, da für jeden abgeschlagenen Kopf der Hydra andere nachzuwachsen pflegen. Um ausgemerzt zu werden, ist das Geschäft einfach zu lukrativ. Wenn man dann noch weiß, dass es die berüchtigten Chinesischen Triaden sind, die ihr Geld in der Uhrenfälscherei anlegen, kann man sich vorstellen, mit welchem hartnäckigen Gegner man zu tun hat.

Sag mir deine Fälscherfabrik und ich sage dir was du baust

Einige Fabriken sind namentlich bekannt mitsamt der Palette an Fakes, auf die sie sich jeweils spezialisiert haben. Spezialisierung macht Sinn, denn sie bietet die beste Aussicht auf ein Erreichen höherer Qualitäten, indem sie sich auf die Besonderheiten einiger weniger Modelle einstellt und sie dann besser nachzubilden lernt. Im Folgenden eine Liste von solchen Fabriken:

  • Noob Factory, stellt Fakes her von: Rolex, Audemars Piguet, Bell & Ross, Breitling, Cartier, Ebel, Franck Muller, Graham, IWC, Jacob & Co., Jaeger LeCoultre, Montblanc, Omega, Panerai, Porsche Design, Ulysse Nardin, Zenith.
  • H Factory baut nach: Hublot Big Bang, Breitling Steelfish, Panerai, Chopard, Concord, Graham, IWC.
  • V6 Factory bastelt für die Weltkundschaft: Baume & Mercier, Cartier, Chaumet, Chopard, Corum, DeWitt, Franck Muller, Hublot, IWC, Louis Vuitton, Omega, Patek Philippe, Paul Picot, Roger Dubois, Tag Heuer, U-Boat.
  • BP Factory beschäftigt sich neben Rolex Nachbauten mit: IWC, Panerai, Tag Heuer, Sinn, Patek Philippe, Bell & Ross, Breitling, Cartier.
  • Z Factory ist die Herstelleradresse für falsche Tudor Pelagos und Blackbay, IWC Portugieser oder Top Gun, Panerai PAM 289 und PAM 616.

Ein Besuch mit der Videokamera in einer chinesischen Uhrenfabrik

Was die Suche nach Fälschungen erschwert

Für den Start einer neuen Baureihe wird zunächst das Gehäuse einer Originaluhr komplett zerlegt und vermessen. Es folgt eine Digitalisierung der gewonnenen Konstruktionsmerkmale, mit denen dann die CNC-maschinelle Nachfertigung begonnen wird.

Das Nachbauen macht vor keiner Marke halt und ist auch nicht das Privileg von Luxusmarken. Dass die Identifikation einer Fälschung desto schwieriger wird, je höher die Qualitätsstufe der Imitation ist, wurde bereits festgestellt. Bei den preiswerten Uhren bauen Fälscher einfach Werke ein, die auch in den Originalen zu erwarten wären – was leicht ist, wenn im selben Hause hinter der Trennwand oder in der Nachbarfabrik die Originalwerke gebaut werden.

Der Tissot PRS 516 Chronograph enthält ein ETA G10 Kaliber – und zwar im Original wie in der Fälschung. Wo falsche und originale Teile im Mix zusammengesetzt werden, spricht man von einer ‚Frankenwatch‘.

Hersteller, Händler und Wege der Risikoverminderung

Händler von Fälschungen sind nicht identisch mit den Herstellern, von diesen kaufen sie die Produkte auf und vertreiben sie weiter, für Kunden in Europa und USA werden dabei für den Versandweg über Drittländer und Mittelsmänner in den Zielländern solche Lücken genutzt, die den Zollzugriff entweder ausschließen oder wenigstens das Risiko stark herabsetzen.

Die Händler sind schwer zu greifen für die chinesische Polizei, da sie es vermeiden Lagerbestände an Fakes zu unterhalten, über die man die Handhabe bekäme sie festzunehmen. Vorräte müssen stets so klein sein, dass man überstürzt mit ihnen umziehen kann, wenn es pressiert (300 Stück etwa werden benannt). So ist es möglich, die feinen Büros in bester Lage rasch zu verlagern und eine saubere Fassade beizubehalten, während Polizeizugriffe weit häufiger Straßenhändler und anhängige Werkstätten erwischen, die wie gesagt leicht zu opfern und dann zu ersetzen sind.

Die Fabriken lassen sich jedoch nicht von den Händlern hereinreden, wie sie zu produzieren haben. Daher muss sich ein Händler mit eigener Qualitätskontrolle absichern, ehe er weiterverkauft, und unterhält zu diesem Zweck eigene Uhrmacher.

So lange Uhrenteile noch nicht markenspezifisch sind, können sie auch gefahrlos munter produziert werden. Erst die Endmontage-Fabrik am Ende der Kette setzt alle angelieferten Einzelteile zusammen, womit die Intention des Produktes offengelegt und eine Unterscheidung zwischen legal und illegal möglich wird.

Einige Merkmale von falschen Rolex Uhren

Zu den weniger sublimen Unterscheidungsmerkmalen gehört die einfache Tatsache, dass es keine Rolex Uhren mit Glasboden gibt, aber nichtsdestotrotz ‚echte‘ Rolex (= Fauxlex) mit einem solchen verkauft werden. Kleine Einschränkung: in den Dreißiger Jahren gab es zwei Rolex Ausstellungsmodelle mit Glasboden. Ob die die Inspiration lieferten? Jedenfalls gerieten diese niemals in den Handel.

Unsaubere Beschriftungen sind natürlich auch leicht gefundene Indizien einer gefälschten Markenuhr. Gravuren außen auf dem Gehäuseboden sind ebenfalls Indiz einer Fälschung, da die Rückendeckel von Rolex durchgehend glatt zu sein haben, bis auf folgende Ausnahmen: kreisförmige Gravur „Stainless Steel“ oder „Registered Design“ auf Damenuhren der frühen 1990er (Datejust 6917, 69173, 69174); „Rolex Oyster Original Gas Escape Valve“ auf der Sea Dweller entlang des Bodenrandes; und die Nummer auf einem limitierten Quarzmodell auf der linken Seite des Gehäuses. Bis auf solche ältere Oysterquarz Modelle (1977-2001) sind die Werke immer mechanische Automatiken.

Die Krone sollte immer ein eingraviertes Rolex Logo (eine stilisierte schmale Krone mit kugeligen Verdickungen am Ende der Zacken) zeigen. Überhaupt lohnt ein Vergleichen von gravierten Schriftzügen zwischen einem bekannten Original und dem in Frage stehenden Exemplar, wo Schriftfärbung oder Buchstabenstellung nicht abweichen dürfen.

Ein Ticken ist an der originalen Uhr nicht wahrzunehmen und der Sekundenzeiger darf beim Lauf nicht rucken. Das auf einer Feinwaage zu ermittelnde Gewicht muss absolut identisch sein mit dem in der Literatur ausgewiesenen Gewicht des Modells – oder das vorliegende Stück ist falsch.

Berühmt als Unterscheidungsmerkmal ist auch die integrierte Glaslupe über dem Datumsfenster, das immer 2,5-fache Vergrößerung bieten muss. Fälschungen arbeiten gern mit 1,5-fach und behelfen sich mit größer gedruckten Ziffern darunter.

Möglicherweise lohnt auch ein Blick auf die Seriennummer, die sich auf Sechs-Uhr-Position außen auf der Gehäuseflanke befinden sollte, unter dem Armband, das also zum Ablesen zu demontieren ist. Sie muss fein und wie eine Diamantgravur wirken. Falsche Nummern sitzen zu dicht nebeneinander und wirken dicklich, dazu wird oft immer dieselbe Seriennummer verwendet. Die R863698 ist so massenhaft in Erscheinung getreten. Seit 2005 sitzen die Seriennummern im Gehäuse, auf dem Zifferblatt bei Sechs-Uhr-Position, entlang des Indexkreises eingraviert.

Zuletzt wollen wir auf die Modellnummer verweisen, die auf der gegenüberliegenden Seite, also unter dem Armband auf Zwölf-Uhr-Position zwischen deren Halterungen sitzen müsste, ebenso zu sichten nach Abnahme des Armbandes.

Unsere Infografik kann bei der Identifikation eines Rolex Fakes helfen.

Rolex_Fake_Infographik

Noch ein paar speziellere Unterscheidungsmerkmale

Ab Werk werden Rolex Uhren mit einem Aufkleber ausgeliefert, der ein dreidimensionales Hologramm enthält. Darauf sieht man die Rolex Krone über einer schwarzen Referenznummer. Indem man das Hologramm von verschiedenen Seiten und Neigungen aus betrachtet, lässt sich herausfinden, ob das Muster echt und räumlich ist oder nur zweidimensional und damit falsch. Vor 2002 war auf dem Hologramm echter Uhren allerdings noch keine Markenkrone zu sehen und die Nummern waren in Gold gedruckt statt Schwarz.

Mit demselben Baujahr führte Rolex auch eine Miniatur-Gravur in Gestalt einer gepunktet gezeichneten Krone auf Sechs-Uhr-Position des Zifferblatts neben deren Index ein; so klein, dass man dieses Symbol mit bloßem Auge kaum erkennen kann.

Die echte Rolex Yachtmaster besitzt einen deutlich dickeren Minutenzeiger als andere Rolex Sportuhren. Fälschungen gehen auf diese Besonderheit nicht ein und besitzen dann eine abweichende Minute.

Ebenfalls auf die Minute zu achten hätte man bei der Prüfung einer Rolex Daytona, hier muss dieser Zeiger extralang sein – bis an die Indizes für Minuten. Noch dazu wäre darauf zu achten, dass die neueren Daytona Modelle abgerundete Zeiger aufweisen und keine eckigen Formen mehr verwenden.

Die Rolex President gibt es echt nur mit Gold oder Platin Gehäuse, sie wird aber als Fälschung gerne in Edelstahl angeboten.

Youtube Video zur filmischen Demonstration einer Echtheitsprüfung

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