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Gigant aus dem Mekka der Uhrmacherkunst: ETA Uhrwerke vom Swatch Konzern

An der ‚Manufacture Horlogère Suisse‘ – ETA – kommen wir nicht herum, sind doch Uhrwerke aus der Fabrikation des Hauses weltweit marktführend unter den mechanischen Rohwerken. Wie wird man das? Schauen wir uns einige Highlights unter den ETA Uhrwerken an, um das zu illustrieren. Tradition, Präzision, ständige Fortentwicklung und die Bewährung im Masseneinsatz haben ETA Uhrwerke zu dem reifen lassen, was sie heute sind. Bildnachweis: Eric Kilby / Lizenz: CC2.0

Kurzer Abriss der Vorgeschichte zu ETA Uhrwerken

Wie so oft beginnt alles im Kleinen und mit ein paar Köpfen, die sich zusammenstecken und anschicken, ihre Talente zu verbinden. So geschehen 1793 im Schweizer Kanton Neuenburg durch vier Meister der Uhrmacherzunft.

Industriell stellen die Gründerväter Rohwerke ab dem Jahr her, als Napoleon sich häuslich im Exil auf St. Helena einrichtete (1816).

ETA Uhrwerke als solche wurden erst 1875 per Erwähnung auf dem Zifferblatt der „Eterna-Werke“ sichtbar, während Rohwerke unter der Abkürzung ETA in den Handel kamen. Die Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts sahen den Zusammenschluss ähnlicher Anbieter zu einem Kartell, um dem Preiskampf untereinander zu begegnen und die Angebotspalette unter einem Dach zu rationalisieren.

Erwähnenswert ist die anschließende Arbeitsteilung in einfache Kaliber mechanischer Art mit und ohne Aufzugsautomatik als ETA Uhrwerke und höherwertigere Werke durch die Produktion bei Landeron und Valjoux.

Patente gerade im Bereich der Automatikuhren wie der Kugellagerrotor 1948 und die stete Fortentwicklung bestehender Baumuster mussten langfristig den Ruhm von ETA Uhrwerken begründen und erhalten. ETA hatte die Nase vorn, als es darum ging, die Werke ganggenauer und höherfrequenter zu machen, bis sie sich bei 28.800 Hertz einpendelten. Für die großen Erfolge in den 1970ern, auf denen selbst heutige bewährte Kaliber noch fußen, waren noch 21.600 Hertz die Norm. Schauen wir uns nun einige Baureihen und berühmte Vertreter daraus genauer an.

ETA Uhrwerke – von Automatiken zu krisengeschüttelten Quarzantrieben und zurück

Heute gilt der Hauptaugenmerk des Liebhabers den ETA Uhrwerken mit Automatikaufzug, die sich seit Ende der so genannten Quarzkrise und der Renaissance der mechanischen Uhren wieder der Gunst des Publikums erfreuen. Dies, obschon auf der Höhe der Quarzuhrenwelle fast die Hälfte der Arbeitsplätze in der Schweizer Uhrenfabrikation wegfielen und folglich auch ETA und Ebauches schwer gebeutelt wurden.

Das zweite Standbein Quarzuhren (der Bauart also, die diese existenzbetrohende Krise von Fernost kommend erst auslöste) sollte ironischerweise das Überleben des Konzerns, der 1998 zu Swatch wurde, sichern und damit der künftigen Pflege der Automatikuhr einen großen Dienst erweisen. Dies geschah 1982 durch den Überraschungserfolg der Swatch-Uhr in Amerika. Unter den Firmenereignissen seitdem hervorzuheben wäre wohl die Übernahme des Produzenten hochwertiger Kaliber Valjoux um die Jahrtausendwende, der seine eigenen Uhrenwerke wie die berühmte Valjoux 7750 mitbrachte. Heute haben wir also die Aufteilung des Portfolios in:

  • Serie Mecaline: rein mechanische ETA Uhrwerke, weiter aufgeteilt in ‚Specialities‘ und ‚Chronographes‘
  • Quarz Werke der 201 bis 282.xxx Serien
  • Quarz Werke der 400 und 588.xxx Serien
  • Quarz Werke der 800.xxx Serie
  • Quarz Werke der 901 bis 980.xxx Serien
  • Quarz Werke E01 bis G15.xxx

Detailaufnahme des ETA 7750. Bildnachweis: Micky Aldridge / Lizenz: CC2.0

Die mechanische Welt: Mecaline, – Specialties und – Chronographes

Unser Hauptinteresse, was ETA Uhrwerke angeht, liegt natürlich in den hochgezüchteten Arbeitspferden der Mecaline Serie, der Mecaline Specialities und der Mecaline Chronographes.

Die reinen Mecaline Modelle zählen elf ETA Uhrwerke, die heutzutage mit besagten 28.000 Hz takten. Das bekannteste und verbreiteste Stück ist ETA 2824-2 mit 25,6 mm Durchmesser. ETA 2671 ist mit 17,2 mm kleiner und darum eine Empfehlung für Damenuhren. Weiter sind ETA 2836-2 und 2834-2 als bewährte Dauerbrenner zu nennen, 25,6 bzw 29,00 mm groß. Sie alle sind Automatiken mit Datumsscheibenantrieb und Sekundenstopp, mit auf 25 Steinen gelagerten Achsen.

Unter seinen sieben Mecaline Chronographes versteht ETA die Luxusfamilie mit der Fähigkeit, eine Zeit abseits des Hauptuhrwerks zu messen und zu stoppen, wozu mindestens eine Extraskala, wenn nicht mehrere Totalisatoren für die ausgedehnte Messung eine gute Idee sind. Hierher gehören ETA 2894-2 mit 28 mm Durchmesser (37 Steine) und die Valjoux Kaliber 7750, 7751 und 7753 (alle 30 mm und 25 Steine), die bis hinauf zu 12 Stunden stoppen können.

Die vierzehn Specialities haben weitergehende ‚Komplikationen‘, wie das im Uhrmacher-Jargon auch genannt wird. Das können 24 Stunden Anzeige, Zeitzonen oder eine Anzeige der Gangreserve sein. Hierher gehören ETA 200-1 und ETA 2892A2 und die Valgranges Werke A07.111, -161 (Gangreserve), -171 (für eine GMT Uhr) -211 ( mit Langzeit-Stoppfunktion). Die Valgranges sind mit 36,6 mm vergleichsweise groß dimensioniert.

Die unüberschaubare Welt der ETA Quarzwerke

Was an ETA Uhrwerken mit Batterieantrieb unterwegs ist und zu den Quarzwerken zu zählen ist, ist kaum mehr zu überblicken, wie schon unsere Auflistung an Baureihen angedeutet hat. Diese unterscheiden sich nicht nur nach der Einteilung der ersten dreistelligen Nummern/Buchstabengruppe, sondern nach einem Trennungspunkt noch nach einer weiteren Nummerkombination aus drei Zeichen.

Beispiel: Unter ETA 955.xxx gibt es: 955.112, 955.112-D6, 955.112/4, 955.122, 955.132, 955.412-2HD, 955.412/4, 955.419-D6, 955.422, 955.431/2, 955.412/4-D6, 955.1112-2H.

Einer der Anbieter für Original Ersatz Quarzkaliber listet allein 196 (!) verschiedene lieferbare ESA/ETA Werke auf. Da freut man sich doch über die vergleichsweise übersichtliche Fülle an Mecaline Kalibern. Die Stärke der Quarz- ETA Uhrwerke liegt in der Funktionsmenge, die verhältnismäßig unaufwändig bereitgestellt werden kann durch elektronische Bauteile, die dazu dank ständig weiterentwickelter Miniaturisierung minimal Platz und Gewicht im Gehäuse beanspruchen, im Unterschied zum Aufwand, der nötig wäre, dieselbe Aufgabe mit rein mechanischen Bauteilen zu lösen, falls das überhaupt möglich ist. Sensoren zum Beispiel lassen sich nicht mit Räderwerkteilen herstellen.

Einige Exoten und die vier Qualitätsstufen

Noch ein paar exotische Handaufzug-Modelle unter den ETA Uhrwerken zum Schluss: ETA 2801/2801-2 mit 17 Steinen und einer Bautiefe von nur 3.35 mm, wie sie in der Meistersinger Einzeigeruhr Nr. 1 verwendet wird. ETA Unitas 6497 und 6498 sind im ETA Programm echte Oldtimer, gehen sie als Design doch zurück in die 1950er Jahre, wo sie vielleicht als letzte Handaufzugswerke für Taschenuhren konzipiert wurden. Von dort haben sie es mittlerweile in die Anwendung in Armbanduhren gebracht, so in Panerai OP X (oder auch hier) und XI und Heuer Carrera Cal.1.

Was alle mechanischen ETA Uhrwerke kennen, ist eine Unterscheidung nach Qualitätsstufe, wovon es vier gibt: Standard, Elaboré, Top und die ultimative Chronomètre. Sie unterscheiden sich nach Lagersteinen, Material der Unruh und der Spiralfeder, sowie einem gesteigerten Regulierungsaufwand. Das steigert ihre Ganggenauigkeit von plus/minus zwölf Sekunden am Tag (Standard) über sieben (Elaboré) und vier (Top) in die nahezu perfekte Kategorie als Chronometer.

Da die Patente längst wieder abgelaufen sind, pflegen andere Firmen wie Sellita, ebenfalls aus der Schweiz, ETA Kaliber nachzubauen. So lange diese den Originalen nicht nachstehen, greifen namhafte Uhrenhersteller, ohne eine Qualitätseinbuße befürchten zu müssen, zu diesen Kopien aus der Hand bewährter Anbieter. Dies ist ein Preisfaktor, doch ETA begünstigte selbst diese Entwicklung hin zu Alternativen in den Nuller-Jahren durch bewusste Einschränkung seiner Produktionskontingents für die Nicht-Eigenmarken.

Weiterführende Links und Angaben

Über den Autor

Volker Trauth

Volker ist unser Mann der wohl gewählten Worte und ausdrucksstarken Uhren-Texte. Er berichtet exklusiv bei luxusuhren-test.de von seinen Zeitmessern.

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