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Wundrwatch Hands-on

Die Wundrwatch gehört zu einem der erfolgreichsten Kickstarter Projekte des deutschen Uhrenmarkts aus dem Jahr 2016. Mit einer Finanzierung in Höhe von 55.193,- € übertraf die junge Marke aus dem Saarland sicherlich nicht nur die eigenen Erwartungen. Auch ich steuerte damals meinen Anteil zu der Erreichung des Ziels bei und darf seit Dezember eine Wundrwatch im schwarzen Gewand mein Eigen nennen.

Die Geburt der Wundrwatch – So verlief die Kickstarter Kampagne

„WUNDRWATCH – The watch that might change your life“ – mit diesem Spruch machte die Wundrwatch Kampagne Anfang August 2016 auf sich aufmerksam. Ich berichtete kurze Zeit später über die Einzeigeruhr und das zugehörige Gewinnspiel.

Da ich von der Idee, eine neue Einzeigeruhr zu launchen, und dem Design so angetan war, entschied ich mich, das Projekt und die Kickstarter Kampagne zu unterstützen.

Innerhalb von nur 48 Stunden wurde das Finanzierungsziel nicht nur erreicht, sondern auch um ein Vielfaches übertroffen. Anstelle der anvisierten 20.000,- Euro sammelten die drei jungen Gründer Yannick Pfister, Ayhan Celebi und Andreas Hemmerling, die bereits mit dem Wunderkey ein innovatives Produkt geschaffen hatten, über 55.000,- Euro am Ende der Kampagne ein und übertrafen damit das eigene Ziel um Längen.

Noch im September erhielten alle Unterstützer eine E-Mail, die uns darüber aufklärte, dass die Uhrengehäuse bereits in der Produktion seien. Um besser planen zu können, wurden wir gebeten, unsere Lieblingskombination aus Uhrengehäuse – zur Auswahl standen ein silberne Edelstahlgehäuse sowie ein schwarzes PVD-beschichtete Gehäuse – und Armbandtyp (verschiedene Leder- und Nato-Armbänder) mitzuteilen. Ich entschied mich für das Modell mit schwarzem Uhrengehäuse und schwarz-grauem Nato-Armband. Meine Auswahl musste ich Ende Oktober nochmals über die wundrstore Homepage bestätigen.

Laut des Zeitplans von Yannick, Ayhan und Andreas war es geplant, allen Unterstützern die Wundrwatch in der zweiten Hälfte des Novembers zukommen zu lassen. Ab Mitte November erhielt ich fast wöchentlich eine Mail, die im Grunde immer die gleiche Aussage hatte: „Wir haben gute Neuigkeiten, die Uhren werden demnächst verschickt.“

Leider zog sich dieser Prozess in die Länge und wurde von leicht irritierenden Mitteilungen, wie zum Beispiel dass man die Manuals (Handbücher) nicht rechtzeitig fertigstellen könnte und man Probleme mit dem Logistikdienstleister hätte, gekennzeichnet. Auf der einen Seite vermittelte dies zwar Transparenz hinsichtlich des Status‘ des Projekts. Auf der anderen Seite hatte ich das Gefühl, dass Konzept und Planung unzureichend waren. Das kann ich allerdings nicht abschließend bewerten und ziehe meinen Hut vor der technischen und logistischen Meisterleistung, 331 Unterstützern noch vor Weihnachten die erworbene Wundrwatch zukommen zu lassen. Ich erhielt mein Exemplar am 14. Dezember 2016.

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Screenshot der Wundrwatch Umfrage vom September 2016 – Mein Modell (schwarzes Gehäuse, schwarz-graues Nato-Armband) ist unten rechts abgebildet.

Der erste Eindruck zählt: leider kann die Wundrwatch (noch) nicht überzeugen

Bevor ich die Überschrift erkläre, muss ich etwas ausholen. Als regelmäßiger Leser von unserem Blog weißt du sicherlich, dass ich einen Faible für Einzeigeruhren habe. In diesem Zusammenhang habe ich letztes Jahr die slow Jo 17 und die slow O 11 vorgestellt. Was mir bei beiden Uhren gefällt? Ganz klar das Design, das einzigartige Markenbild und das Image. slow macht keinen Hehl daraus, eine Lebenseinstellung zu verkaufen. Markige Slogans, wie zum Beispiel „Es ist an der Zeit, über die Zeit anders nachzudenken! Stress war gestern – Leben ist heute!“, werden gekonnt eingesetzt und treffen bei mir ins Schwarze. Das Ganz wird harmonisch durch ein stimmiges Produktdesign abgerundet, bei dem sogar das Unboxing ein tolles Erlebnis ist (siehe: Erfahrungsbericht zur slow Jo 17).

Ganz anders war meine erste Impression der Wundrwatch. Als ich am Abend des 14. Dezember das Paket Zuhaus öffnete, war ich maßlos enttäuscht. Die äußere Versandverpackung leicht eingedrückt (glücklicherweise war die innere Verpackung unbeschädigt), der Schaumstoffschutz aus zwei Elementen mit deutlicher Schnittkante zusammengesetzt und die Armbanduhr in ihre Einzelteile (Uhrengehäuse, Armband und Armbandbefestigungen) zerlegt. Kurzum: ich war sauer und rührte die Wundrwatch lange Zeit nicht an. Eigentlich wollte ich im Dezember bereits diesen Artikel verfassen, dazu hatte ich nach dem enttäuschenden Erlebnis allerdings keine Lust mehr. Unliebsam bezeichnete ich die Wundrwatch als grobes Manometer.

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Wundrwatch Hands-on – Das schwarze Schaf avanciert zum Lieblingsstück

Schließlich dauerte es bis Mitte Januar, ehe ich die Wundrwatch in die Hände nahm, zusammensetzte und anprobierte.

Lässt man das Design der Verpackung außer acht und ignoriert man die Tatsache, dass die Gebrauchsanweisung als nicht gerade liebevoll gestaltetes PDF zugesandt wurde, so machte der Zusammenbau meiner schwarzen Einzeigeruhr mit 24 Stundenzifferblatt richtig Spaß. Schließlich ist es nicht alltäglich, dass man zunächst seine Uhr aus den Einzelteilen zusammensetzen muss. Es dauerte etwas, bis ich begriff, wie man das Nato-Armband anbringt (ehrlich gesagt, weiß ich immer noch nicht genau, ob es so, wie ich es angebracht habe, richtig ist). Schließlich war ich erfolgreich.

Dann die Anprobe: Das 22 Millimeter breite Armband ist glücklicherweise etwas elastisch und bietet genug Möglichkeiten, die Dornschließe so zu schließen, dass noch etwas Luft zwischen Uhr und Handgelenk ist. Das Tragegefühl ist angenehm, die Uhr mit rund 62 Gramm nicht zu schwer.

wundrwatch-zifferblatt-details

Das Zifferblatt, welches in ein mattes Schwarz getaucht ist, ist auf das Notwendigste beschränkt und enthält, neben dem WUNDR Schriftzug und dem markanten roten Zeiger, eine 24 Stundeneinteilung, bei der die Fünf-Minuten-Schritte auf der Minuterie eingezeichnet sind. Zudem sind Ziffern und Indizes mit Leuchtmasse überzogen, sodass diese in neon-grüner Farbe bei Dunkelheit erstrahlen. Allerdings sei angemerkt, dass die Leuchtkraft etwas schwach ist, sodass das Ablesen der Uhrzeit doch etwas schwer fällt.

Eingerahmt wird das Zifferblatt bei meiner Wundrwatch von einem schwarzen, PVD-beschichteten Gehäuse mit 42 Millimeter Durchmesser und knapp 10 Millimeter Höhe. Was ich besonders positiv finde, ist die Tatsache, dass die Wundrwatch bis zu 10 ATM wasserdicht ist. Erreicht wird dies durch ein gehärtetes K1 Mineralglas, welches mit einer angenommenen Härte von rund 900 Vickers kratzbeständig und bruchsicher sein sollte. Allerdings würde ich trotz dessen nicht empfehlen, die Uhr auf einen stumpfen oder gar spitzen Stein fallen zu lassen.

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Was steckt denn eigentlich im Inneren der Wundrwatch?

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt einer jeden Armbanduhr ist das Uhrwerk. Auf dem Gehäuseboden der Wundrwatch steht in großen Lettern „Swiss Parts Movement“. Im August teilten mir die Gründer von WUNDR mit, dass es sich dabei um das Swiss Made Quarzuhrwerk Ronda 515.24H handelt. Dieses aus der Powertech Linie vom Schweizer Hersteller Ronda stammende Werk besitzt eine Ganggenauigkeit von rund -10 bis +20 Sekunden im Monat und eine Batterielebensdauer von zirka 45 Monaten. Damit liegt das Quarzwerk im für das Preissegment zu erwartenden Durchschnitt. Die Gangabweichung wird man aufgrund der Minuterieeinteilung ohnehin erst nach einigen Monaten feststellen.

Bei einer Einzeigeruhr stellt natürlich das Einstellen der genauen Uhrzeit eine besondere Herausforderung dar. Dazu habe ich folgenden Tipp für euch: Versucht nach Möglichkeit, die Uhrzeit zu einer beliebigen Viertelstunde einzustellen. Denn die Viertelstundenmarkierung ist zwar schmaler, dennoch aber gut zu erkennen, und ermöglicht damit eine genauere Einstellung. Wichtig: Die Uhrzeit sollte nur durch Drehen der Krone im Uhrzeigersinn erfolgen. Andernfalls kann das empfindliche Quarzuhrwerk Ronda 515.24H einen Defekt erleiden.

wundrwatch-detail-zifferblatt

Mein Fazit zur Wundrwatch

Das erste Mal habe ich die Wundrwatch zu einem Geschäftsessen in Hamburg längere Zeit getragen und konnte feststellen, dass die Einzeigeruhr als Dress Watch sehr gut geeignet ist und für mich die oft bei Einzeigeruhren bemängelte grobe Einteilung des Zifferblatts ausreicht, um meine Termine wahrnehmen zu können. Notfalls besitze ich auch noch ein Smartphone, auf dem ich Minuten und Sekunden ablesen kann, sollte dies tatsächlich nötig sein.

Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und ich kann nun ein positives Fazit ziehen: Die Wundrwatch gefällt mir, da sie zum einen als schlichtes Accessoire zu einer Vielzahl an Outfits passt, ohne zu stark die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Zum anderen mag ich die Haptik der Materialien. Das Nato-Armband fühlt sich angenehm an, wenngleich man an der Qualität von Seiten des Herstellers noch arbeiten muss. Ich erkenne bereits jetzt einige Spuren an den Löchern des Armbands. Der Stoff franst leider an den äußeren Radien etwas aus. Gedanklich habe ich mich schon damit abgefunden, in der nächsten Zeit ein neues Armband kaufen zu müssen.

Der bittere Beigeschmack des Unboxings bleibt allerdings und verdeutlicht hemmungslos, wie wichtig der erste Eindruck ist. Dort hat die Wundrwatch leider nicht die beste Figur gemacht.

Dennoch freue ich mich über den Zuwachs in meiner Uhrensammlung.

Einen neuen Lebensstil hat der Zeitmesser mir aber – ähnlich wie die slow Jo oder slow O – (noch) nicht vermitteln können. Doch ich bleibe auch in diesem Punkt positiv und bin gespannt, ob sich dies noch ändern wird.

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Technische Informationen zur Wundrwatch

Uhrwerk: Ronda 515.24H mit 11 ½ Linien
Ganggenauigkeit: -10 bis +20 Sekunden pro Monat
Funktionen: 24-Stundenzifferblatt, Einzeigeruhr, Wasserdicht bis 10 ATM; K1 Mineralglas
Zifferblatt: Schwarz mit weißen Ziffern und Indizes sowie rotem Zeiger
Armband: Wahlweise 22 Millimeter breites Nato-, Wild- oder Kalbslederarmband in verschiedenen Farben
Abmessungen: 42 Millimeter x  ca.10 Millimeter Edelstahl- oder PVD-beschichtetes Gehäuse
Gewicht: ca. 62 Gramm

Über den Autor

David Morawietz

David ist Autor bei luxusuhren-test.de und berichtet exklusiv von seinen Uhren-Erlebnissen.

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