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Die gefälschte Rolex – Geschichte der Billigimitate, am berühmtesten Beispiel (Teil 1)

Prestigeträchtige Uhrenfabrikate nachahmen – da denkt man sogleich an die berühmte gefälschte Rolex, die eine schattige Gestalt aus seinem Trenchcoat heraus auf der Straße ahnungslosen Touristen anbietet. Aber die Geschichte der gefälschten Uhr geht weiter zurück, in Zeiten lange vor der Existenz der heutzutage meist betroffenen Luxusmarken Rolex, Cartier und Bulgari. Bildnachweis: Scott Akerman / Lizenz: CC2.0

Rückblick: Wundersame Vermehrung britischer Uhren

Es fing alles im 18. Jahrhundert an, als die renommiertesten (weil genauesten, man denke an den berühmten Schiffschronometer von John Harrison, ab 1735) Uhren aus England kamen. Ganz ohne Zuhilfe ihrer heutigen asiatischen Nachahmer fingen damals kontinental-europäische Uhrmacher an, ihre Arbeiten mit Signaturen englischer Vorbilder wie George Graham oder Eardley Norton zu versehen, obwohl sie natürlich keinerlei Lizenz dazu hatten; die Raubkopie ward geboren.

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Ein von John Harrison entwickelter Schiffschronometer mit der Bezeichnung H5. Bildnachweis: Racklever in der Wikipedia auf Englisch / Lizenz: CC BY-SA 3.0

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Eine von Eardley Norton hergestellte Zylinder-Taschenuhr mit Zeigerdatum und Viertelstunden-Repetition. Bildnachweis: Pieces of Time – E-Mail: info@antique-watch.com

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Bei dieser abgebildeten Taschenuhr handelt es sich um die George Graham No. 5629 aus dem Jahr 1735. Bildnachweis: Pieces of Time – E-Mail: info@antique-watch.com

Die Hochburgen der Fälscher standen in Augsburg und in kleinen Städtchen der frankophonen Schweiz. Neben bekannten Namen ritzten die Plagiatoren auch Fantasienamen ein, so lange diese nur englisch klangen: „Samson“ oder „Simpton“ erlaubten die Assoziation mit englischer Präzisionsmechanik. Es ist nicht bekannt, ob die Engländer irgendetwas unternahmen, um die Imitationen und Identitätsschwindel zu unterbinden. Ohne ein internationales Patentrecht war da natürlich nichts zu machen.

Massenproduktion – erster Killer der Fälschungs-Rentabilität

Im 19. Jahrhundert verlagerte sich der Eifer der Fälscher auf Erzeugnisse der Firma Breguet, während britische Uhren immer noch ein beliebtes Ziel blieben. Mit Erstarken der amerikanischen Uhrenindustrie geriet sie ab der Zeit des Sezessionskrieges ins Fadenkreuz der Fälscherwerkstätten, nun waren Waltham Erzeugnisse an der Reihe, auf wundersame Weise von Schweizer Imitatoren vervielfältigt zu werden.

Erst die starke Verbilligung der Taschenuhren aufgrund von beginnender industrieller Massenfertigung machte das Fälschen zunächst mal ökonomisch uninteressant, weswegen sich die Schweizer Uhrenindustrie zu ihrem späteren Glück darauf verlegte, selbst hochwertige Originale herzustellen, die es bald zu Statussymbolen brachten und den Ruf der Schweizer Uhr als Präzisionsinstrument an Verlässlichkeit überhaupt erst begründeten.

Die gefälschte Rolex: Wie Rolex ins Zielvisier der Fälscher geriet

Das profitable Uhrenfälschergewerbe blühte erst wieder auf mit dem Erfolg der Firma Rolex und der Etablierung ihres Namens als legendäre Luxusuhrenmarke. Zwar war diese bereits 1905 gegründet worden, doch kam sie dank der Werbebemühungen ihres Chefs Wilsdorf erst 1927 zu Weltruhm.

Qualitätsmerkmale wie die neuartige Wasserdichtigkeit und die Rotor-Automatik trugen ihren Teil zum Image als etwas Besonderem (und Kopierwürdigem) bei. Die 1953 eingeführte Submariner sollte dann auch das Modell von Rolex werden, das fortan die meisten Imitationen über sich ergehen lassen musste. Eigentlich muss man auch offenherzige Kopien (im Sinne von ‚Ähnlichkeiten‘) durch andere Hersteller dazu zählen, die einfach auf Ähnlichkeit setzten und sich gesteigerte Verkaufszahlen erhofften, doch soll hier nur das echte Fälscherwesen behandelt werden.

Wegen Nachahmungspraktiken in praktisch allen Bereichen der Industriefertigung bis hin zu sowjetischen Waffenbaumustern konnte nicht ausbleiben, dass die Volksrepublik China zum El Dorado der Hochpreisuhren-Fälscherei werden musste. Dort fanden sich das Geschick, die Unzugänglichkeit für mögliche westliche Strafverfolger und ein großer Hunger nach Valuta zusammen, um Imitation in zunehmender Qualität und zunehmendem Umfang zu betreiben, zunächst von unzähligen Küchentischen aus, dann durchorganisiert in eigenen Fälscherfabriken. Die Qualität dieser Fälschungen stieg dabei über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich an, fächerte sich zudem auf in eher plumpe Arbeiten und Resultate höherer Ambition, die näher ans Original rückten und darum auch höhere Preise einbrachten.

Der Schweizer Zoll schätzt, dass 40 % aller 30 bis 40 Millionen falscher Uhren pro Jahresproduktion aus China stammen, eine EU Einschätzung liegt für 2004 mit 54 % noch darüber (siehe Wikipedia). Über die Arbeitsbedingungen der Fälscherindustrie sind haarsträubende Berichte im Umlauf, mit Hinweisen auf Kinderarbeit und Versklavung von Arbeitern. Für 2013 nennt die Schweizer Uhrenindustrie über 120.000 beschlagnahmte Imitationen ihrer Produkte. Sie setzt an die fünfzig einheimische Inspektoren in der Volksrepublik ein, um Fabrikationsstätten ausfindig zu machen und den dortigen Behörden zu melden.

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Auch wenn dieser Flickr-User schreibt, seine gefälschte Rolex bzw. Fake Rolex Oyster Perpetual aus China funktioniere auch nach drei Jahren Nicht-Nutzung immer noch, so stellt dies definitiv nicht die Regel dar. Ein Fake-Produkt zu kaufen, lohnt sich nicht und uns sind genug Berichte dazu bekannt, dass die Uhren schnell das Zeitliche segneten. Bildnachweis: sonictk / Lizenz: CC2.0

Unbescheidenes Auftreten von Ost bis West

Rolex ist also die Marke, die am häufigsten gefälscht wird, dank ihres weltweiten Bekanntheitsgrades und des Ansehens ihrer Erzeugnisse, die zudem über die Jahre nur geringfügige Veränderungen erfahren und darum auch Fälschungen nicht so bald „altern“ lassen.

Die Nachbauten bzw. gefälschten Rolex Uhren werden in einer Preisspanne von 5 bis 1000 Dollar das Stück vertrieben, was schon an sich ein Hinweis auf die unterschiedlichen Qualitäten ist, die bei hochpreisigen Rolex-Fakes durchaus auch echtes Gold verwenden können.

Ganz unbescheiden werden dazu Angebotsprospekte gedruckt und für den Einzelhandel in Asien verbreitet. Die Canal Street in New York City ist bekannt als ein Handelszentrum für gefälschte Rolex Uhren. Von einem Gangster ist bekannt, dass er dort allein 1988 mehr als 13 Millionen Dollar im Handel mit solchen Produkten erzielte. Die höherwertigen Imitationen der jüngsten Zeit sind nicht immer leicht zu erkennen und offenbaren ihren Charakter erst bei Öffnen des Gehäuses und Nachforschungen im Innern. Es werden auch authentische mit gefälschten Bauteilen gemischt, um die Identifikation zu erschweren. Eine Übersicht des breiten Portfolios der „Fauxlex“ bzw. gefälschten Rolex Uhren gibt diese Galerie eines chinesischen Fälschers.

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Es versteht sich von selbst, dass der Kauf einer gefälschten Rolex nicht zu empfehlen ist. Wer sich nicht belehren lassen möchte, dem ergeht es häufig so, wie oben abgebildet. Logo, Ziffern und Indizes sind unzureichend aufgeklebt und lösen sich vom Zifferblatt. Sämtlicher Spaß ist dahin. Bildnachweis: Daniel Sancho / Lizenz: CC2.0

Aus kleinen Fischen werden große Haie

In einem Zivilgerichtsverfahren in New York wurde 2006 aufgezeigt, wie haarsträubend die ‚Wertschöpfungskette‘ für Fälscher laufen kann. Vietnamesen importierten Uhrenteile aus China im Wert von 27 Cent pro Uhr (!); nach Zusammensetzen der Bausätze verkauften sie, nach Anfügen von falschen Markennamen und Symbolen, ihre Erzeugnisse an Großhändler zu einem Stückpreis zwischen 12 und 20 Dollar. Diese verhökerten die Ware an Straßenhändler und Schönheitssalons für 20 bis 35 Dollar das Stück. Beim Endverbraucher wurden dann bis zu 250 Dollar für dasselbe Ding erzielt, das anfangs 27 Cent Materialwert ausmachte.

Manchmal haben die Trickser auch einfach Glück und finden einen gnädigen Richter. Ein Privatermittler in den USA lokalisierte auf einem Flohmarkt zwei Rolex Nachbauten für je 27 Dollar. Die alarmierte Polizei fand im Flohmarktverkaufsstand 742 Replicas, jedoch wurde eine Betrugsanklage vom Bezirksgericht nicht angenommen, mit der Begründung, dass „eine Person nicht vernünftigerweise annehmen könne, dass eine 27 Dollar Flohmarktuhr eine echte Rolex sei“.

Demnächst weiterlesen in der Fortsetzung zu diesem Artikel

In Teil 2 dieses Artikels gehen wir im Detail auf Unterscheidungsmerkmale an Rolex Uhren ein, die es erschweren sollten, auf eine Kopie hereinzufallen. Wenigstens ein Fake der niedrigeren Qualitätsstufen sollte so erkannt werden können. Du erfährst nicht nur, woran du einen Fake möglicherweise identifizieren kannst, sondern auch die Namen einiger bekannter Fabriken und was diese re-produzieren. Denn nicht selten agieren diese Firmen daneben ganz offiziell als Lieferanten für legale Uhrenmarken.

Über den Autor

Volker Trauth

Volker ist unser Mann der wohl gewählten Worte und ausdrucksstarken Uhren-Texte. Er berichtet exklusiv bei luxusuhren-test.de von seinen Zeitmessern.

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